Irgendwann im letzten Jahr verabredete ich mich aus dem Gespräch heraus über Twitter mit einem Typen Namens @Kutze21 unbekannter weise zu einer „großen Tour“.
Island versprach Abenteuer, Offroad, und geniale Langschaften. So sollte es sein…
Für die Tour schusterte sich Micha aus diversen Internetauktionen eine DR350 zusammen und ich tauschte meine alte Ténéré gegen eine noch ältere, aber leichtere, wartungsfreundlichere, schönere XT500 (Bj.77).
Für Island rechneten wir damit, aufgrund schlechten Wetters oder Pannen improvisieren zu müssen. Wer konnte Ahnen, dass schon die Anfahrt zur Fähre in ein handfestes Abenteuer ausartet…
Abfahrt war am 25.08.2011 in Friedberg, nachdem ich am Abend zuvor bis spät in die Nacht den nach nur 50km Testfahrt gebrochenen Gepäckträger wieder zusammengeflickt hatte und versucht hatte das Gepäck so gut wie möglich auf ein für die kleine XT erträgliches Gewicht zu reduzieren.
Die 50km zum Treffpunkt mit Micha stimmten mich trotz großer Vorfreude auf die kommenden Wochen nicht gerade glücklich. Die XT fuhr sich wie ein Sack Nüsse. Schräglagen waren so gut wie nicht möglich und schon bei 70km/h schaukelte sich das Moped unangenehm auf. Also entschloss ich mich die letzte Gelegenheit zu nutzen um das Gepäck nochmals zu reduzieren. Was dabei raus gekommen ist, hat Alexander, unser Abschiedsinspektor, filmisch festgehalten:

Mit drei Stunden Verspätung ging es dann endlich los. Micha kämpfte bei leichtem Nieselregen mit seinen arg grobstolligen Reifen, die auf Asphalt nicht wirklich viel Grip versprachen und ich hatte nach wie vor meinen Spaß mit meinem störrischen Esel, der sich sonderbarer weise auch mit 500g weniger Gepäcklast nicht merklich besser fuhr.
Aber die Vorfreude auf Island überlagerte die Bedenken und Enttäuschung des Fahrverhaltens unserer Motorräder und so zogen wir über Land Richtung Norden. Der Plan war, nach einem kurzen Besuch des Bloggerkollegen Griesgram999, gegen Abend in der Nähe von Kiel bei einem Freund von meinem Reisekollegen ein Nachtlager aufzuschlagen und am nächsten Morgen die restlichen 500 der insgesamt 1100km zur Fähre nach Dänemark zu bewältigen.
Irgendwo bei Lich verfuhren wir uns und landeten überraschend auf einem Waldweg. Mein GPS zeigte an, dass die Richtung stimmte und wir nach ein paar hundert Metern wieder auf die Straße stoßen müssten. Also beschlossen wir unseren Stollenreifen eine kleine Pause vom Asphalt zu gönnen und illegaler weise ein wenig über matschigen Waldboden rollen zu lassen.
Als Bonus bekamen wir ein paar umgestürzte Bäume vor die Nase. Hurra! Die erste Offroad-Einlage sollte uns also vier Tage früher als erwartet begrüßen. Nun denn, ab durch die Mitte, über Stock und Stein und durchs Gebüsch. Das machte nicht nur tierisch Laune, es ging mit dem ganzen Gepäck auch viel besser als befürchtet.
Glücklicherweise war nach überstandener Trialeinlage die Schranke zur Straße, die wir nicht hätten umfahren können, nicht abgeschlossen und so konnte nach der kleinen Abwechslung die Tour wieder ihren geplanten weg gehen.
Ermutigt von dieser erfolgreichen Abkürzung ignorierten wir in Folge auch die ein oder andere Baustellen-bedingte Umleitung. Sehr zum Missfallen der Bauarbeiter, aber mit überraschender Unterstützung einiger Anwohner. – Ist nun auch wirklich nichts dabei ein paar Meter Schotter zu fahren wo maximal zwei demotivierte Warnwestenträger planlos mit einem Metermaß hantieren, oder?
Nach dem kurzen Besuch unseres griesgrämigen Freundes in der Provinz war es dann an der Zeit etwas Strecke zu machen und wir quälten uns auf die Autobahn. Mit zwei alten Kisten, die es nur auf 80 Sachen bringen, nicht wirklich ein Spaß, aber man kommt voran. – Es sei denn, ein Schlauch fühlt sich unter nicht mehr wohl, unter seiner Reifenhaut, und lässt völlig überraschend seinen luftigen Inhalt weichen. Die Sau!
Auf Plattfüße waren wir gut vorbereitet, wenn auch etwas überrascht,
dass uns diese Aufgabe schon auf der Good Old German Autobahn erwartet.
Kurz nach dem Schlauchwechsel zerbröselte mir eine Halterung meines mächtigen 30l-Tanks und Micha hatte zu allem Überfluss erst viel zu wenig, und dann viel zu viel Öl in seiner DR. So rannte uns die Zeit langsam davon.
Von nun an blieben wir aber, abgesehen von einer handvoll kaputter Rücklichtbirnen bei meiner XT, von weiteren Pannen verschont.
Dafür machte uns das Wetter zu schaffen. Sommer, Sonne, Sonnenschein verwandelten sich nämlich in Sturm, Gewitter, Unwetter. Und zwar so heftig, dass wir vom Wind quer über die Straße geweht wurden, während rechts und links die Blitze einschlugen und wir vor lauter Regen nichts mehr sahen.
So kam es, dass ich mich zum ersten Mal Schutz suchend unter einer Brücke verkroch und hoffte, dass es schnell vorbei geht. Aber der Sturm pfiff uns noch eine ganze Weile um die Ohren. Um die restliche Tour nicht ohne Kopfschutz zurücklegen zu müssen, war spontan sogar noch einer kurzer Sprint von Nöten. Der Shoei Qwest war nämlich mal eben dezent vom Moped geblasen worden und flog munter durch die Luft.
Für Island hatten wir all diese kleinen Wetter- und Material-Problemchen einkalkuliert und waren darauf vorbereitet, aber jetzt wollten wir doch nur mal schnell lächerliche 1000km zurücklegen um eine Fähre zu erreichen, die nur einmal die Woche ablegt.
Unter diesen Umständen wurde die Zeit langsam bedenklich knapp. Als wir uns endlich wieder auf die Straße trauten, kamen wir nicht sehr weit und das Spielchen ging wieder von vorne los. Wieder unfahrbares Unwetter, wieder warten. Wir versuchten uns so gut es ging durch das Unwetter zu kämpfen, aber mittlerweile war es längst dunkel und nach fast 24 Stunden on the Road siegte die Müdigkeit. Ich erwischte mich einige male dabei wie mir die Augen zu fielen und Micha ging es nicht anders. So entschlossen wir uns notgedrungen die nächste Gewitterphase für ein kleines Nickerchen in einer Bushaltestelle zu nutzen. Ist ja nicht so, dass wir uns kein Hotel hätten leisten können, aber rein rechnerisch blieben uns höchstens ein, zwei Stunden Ruhezeit um überhaupt noch eine Chance zu haben die Fähre rechtzeitig erreichen. – Vorausgesetzt das Wetter würde besser.
Unglaublich was so ein kleines Nickerchen, selbst in Regenklamotten auf kaltem, nassem Asphalt, bewirken kann.
Mit neuem Elan und einem extra großen Kaffee an der nächsten Tanke, ging es in den finalen Kampf gegen die Zeit.
Unser “Plan B” sah vor, die Fähre eine Woche später zu buchen und so lange durch Dänemark zu cruisen. Aber daran wollte keiner von uns denken. Wir wollten nach Island. Und zwar jetzt! Nicht erst in einer Woche.
Als der Verbrauch von Red Bull pro 100km den des Benzins deutlich überstieg, wurde es endlich hell und wir passierten die Grenze zu Dänemark. Das gab uns nochmal neuen Schwung.
Wir blieben wohl auch weiterhin nicht trocken, aber von nun an lief es so, wie es von Anfang an hätte laufen sollen. Wir brauchten zum Schluss wohl mindestens alle 50km eine kleine Pause um die Glieder kurz zu strecken und die verbrauchte Energiegetränke abzulassen (Red Bull raus – Red Bull rein, ein Teufelskreis), aber wir schafften es schlussendlich tatsächlich mit der berühmten akademischen Viertelstunde Verspätung zur Fähre. Halleluja! Das war knapp.

Demnächst in Teil 2:
Sturm und Stammtisch auf hoher See & Vier gewinnt: Sommer in Island
Das Fotoalbum zur Tour ist übrigens schon komplett auf Flickr zu betrachten: http://www.flickr.com/photos/ernie-troelf/sets/72157627902883019/
Grüße
@ErnieTroelf